44 4.2 Die Rolle öffentlicher Investitionen Die Haushalts- und Finanzpolitik in den Mitgliedsländern der Europäischen Währungsunion steht vor einer doppelten Aufgabe: Erstens muß sie im Rahmen eines mittelfristig orientierten Konsolidierungskurses die Rückkehr zu einer soliden staatlichen Finanzgrundlage erreichen und zweitens ist sie gehalten, die dauerhafte Tragfähigkeit der Ausgaben und Defizite sicherzustellen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei: Die Ausgabenbegrenzung muß durch eine Verbesserung der Ausgabenstruktur begleitet sein und wachstums- und beschäftigungsfreundlicher gestaltet werden. Die finanzpolitischen Leitplanken der Bundesregierung betonen dies:"Der Anteil zukunftsorientierter Ausgaben an den Gesamtausgaben sollte erhöht werden. Als Zukunftsausgaben gelten vor allem Infrastrukturinvestitionen sowie Ausgaben für Bildung, Wissenschaft und Forschung und ressourcen-schonende Technologien."(BMF 2000c: 18). Der Staat fördert die Faktorakkumulation direkt, indem er in Sachkapital(Infrastruktur), Humankapital(Bildung und Ausbildung) und Wissenskapital(FuE und Innovation) investiert. Die Sozialausgaben spielen ebenfalls eine Rolle, insbesondere indem sie Investitionen in Humankapital stützen. Öffentliche Investitionen können sich auch indirekt in positiver Weise auf die Gesamtfaktorakkumulation auswirken, wenn sie nämlich die private Investitionstätigkeit ergänzen. So kann die Bereitstellung einer leistungsfähigen Infrastruktur(Verkehrs- und Energieversorgungssysteme usw.) die Produktivität der Investitionen des Privatsektors erhöhen und weitere Investitionen auslösen. Diese Komplementarität kann durch"Partnerschaft" zwischen privatem und öffentlichem Sektor verstärkt werden, die die Effizienz staatlicher Investitionen auch durch die Erhöhung von Kosten-Nutzen-Erwägungen erhöhen und gleichzeitig sicherstellen, dass die sozialen Erträge in den privaten Investitionsentscheidungen berücksichtigt werden(Europäische Kommission 2000g; Leibfritz u.a. 2001: 63ff.). Investitionen nehmen unter den öffentlichen Ausgaben eine Sonderstellung ein. In haushaltswirtschaftlicher Sicht unterscheiden sie sich von den konsumtiven Ausgaben dadurch, dass sie- jedenfalls teilweise- das staatliche Vermögen vergrößern. Unter gesamtwirtschaftlichen Aspekten werden ihnen besondere wachstumsfördernde Effekte zugeschrieben. Auch werden sie wegen
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