Jüdische Menschen in der Arbeiterbewegung| Porträts – Debatten – Motive 5 Jacob Hirsch 1. Einleitung Jüdische Menschen und die deutsche Arbeiterbewegung – was verbindet beide miteinander? Die Erklärung, die sich nicht unmittelbar erschließen mag, bedarf einiger Vorüberlegungen, auch wenn das Engagement von Jüdinnen und Juden innerhalb der Arbeiterbewegung letztlich individuell über die Motive einer jeden einzelnen Person zustande kommt. Zunächst sollte erwähnt sein, dass es sich im Folgenden nicht um eine religiöse Auslegung handelt. Zwar existieren Überlegungen, die bereits einen Zusammenhang zwischen Judentum und der Arbeiterbewegung beispielsweise in der jüdischen Wirtschafts- und Sozialethik sehen und die durch Einzelbeispiele durchaus plausibel erscheinen. 1 Dies trifft jedoch nur bedingt auf den Großteil der jüdischen Menschen in der Sozialdemokratie zu, haben doch viele mehr oder weniger mit der jüdischen Tradition gebrochen oder sich weitgehend an die Mehrheitsgesellschaft assimiliert. Nicht denkbar ist die Kohäsion von jüdischen Menschen und der Arbeiterbewegung allerdings ohne die Diskriminierungen, denen Jüdinnen und Juden nicht erst seit der Neuzeit ausgesetzt waren. Während sie dem religiös begründeten Antijudaismus durch Übertreten zum Christentum entkommen konnten, funktionierte diese Form der Assimilation nicht mehr im sogenannten Rassenantisemitismus des 19. Jahrhundert. 2 Als sich bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein großer Teil der deutschen Jüdinnen und Juden in der bürgerlichen Mittelschicht etabliert hatte 3 – anders als es teilweise in Osteuropa oder den USA gesche Gunter Lange, Jeanette Wolff. 1888 bis 1976. Eine Biographie, Bonn 1988, S. 126–135; vgl. auch die Beiträge von Abraham de Wolf und Bernd Faulenbach in diesem Band. Volker Losemann, Rassenideologien und antisemitische Publizistik in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert, in: Wolfgang Benz/Werner Bergmann(Hrsg.), Vorurteil und Völkermord. Entwicklungslinien des Antisemitismus, Freiburg im Breisgau u. a. 1997, S. 304–337. Kirsten Heinsohn, Juden in der Weimarer Republik, in: Arno Herzig/Cay Rademacher(Hrsg.), Die Geschichte der Juden in Deutschland, Hamburg 2007, S. 170–179, hier: S. 174. Regional gab es jedoch auch jüdische Industrieproletariate, beispielsweise in Berlin oder im Ruhrgebiet. Vgl.
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Jüdische Menschen in der Arbeiterbewegung : Porträts - Debatten - Motive
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