Sammelwerk 
Jüdische Menschen in der Arbeiterbewegung : Porträts - Debatten - Motive
Entstehung
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138 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 18 Jeanette Wolff Mit»Bibel und Bebel« für Gerechtig­keit und Demokratie Bernd Faulenbach Jeanette Wolff ist eine ungewöhnliche Persönlichkeit der deutschen und der jü­dischen Zeitgeschichte. Sie war exponierte Sozialdemokratin, gläubige Jüdin und nicht zuletzt emanzipierte Frau: Alle drei Komponenten hingen eng miteinander zusammen. Und ihr Leben spiegelt in besonderer Weise die jüdisch-deutsche Ge­schichte im 20. Jahrhundert. Heinz Galinski sagte in seiner Trauerrede, dass sie in mehrfacher Hinsicht»zur Personifizierung des ewigen Dennoch« geworden sei,»das wie ein roter Faden die jüdische Geschichte durchzieht«. 1 Für Paul Spiegel gehörte Jeanette Wolff(1888–1976) zu den»beeindruckendsten jüdischen Frauen des 20. Jahrhunderts«. 2 Auch unter den jüdischen Menschen in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung weist sie ein besonderes Profil auf. Sie war als Sozialdemokratin bewusst»religiöse Jüdin«, was sie nicht nur von der Mehrheit der religiös indifferenten Mitglieder ihrer Partei unterschied, sondern auch von den jüdischen Menschen in der Sozialdemokratie, die meist eher in Di­stanz zum religiösen Judentum lebten, teils zum Protestantismus konvertiert wa­ren oder sich zum weltanschaulichen Atheismus bekannten. Einzigartig ist ihre Biografie. In der Weimarer Zeit gehörte sie zu den Frauen, die sich kämpferisch für die Sozialdemokratie einsetzten, doch trat sie auch für jüdi­sche Anliegen ein. Nach der NS-Machtübernahme wurde sie zuerst als Sozialdemo­kratin verfolgt, erlitt dann aber ein Schicksal als Jüdin. Es folgten Segregation und Deportation in den Osten, sie durchlitt Ghetto und Konzentrationslager mit ih­ren schrecklichen Erfahrungen und sie überlebte zusammen mit einer Tochter als von Heinz Galinski abgedruckt in: Hans Lamm(Hrsg.) unter Mitarbeit von G. David Gross­mann und Nora Walter: Jeanette Wolff. Mit Bibel und Bebel. Ein Gedenkbuch. Mit einem Vorwort von Herbert Wehner, Bonn 1980, S. 121–123, hier: S. 121. Paul Spiegel, Geleitwort des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, in: Bernd Faulen­bach(Hrsg.) unter Mitarbeit von Anja Wißmann,»Habt den Mut zu menschlichem Tun«. Die üdin und Demokratin Jeanette Wolff in ihrer Zeit(1888–1976), Essen 2002, S. 11–13, hier: S. 11.