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Jüdische Menschen in der Arbeiterbewegung : Porträts - Debatten - Motive
Entstehung
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Jüdische Menschen in der Arbeiterbewegung| Porträts Debatten Motive 29 Sechs Gesichter deutsch-jüdischer Sozialisten vor dem Zweiten Weltkrieg Yuval Rubovitch Der rasante Aufstieg der deutschen Arbeiterbewegung in den letzten Dekaden des 19. Jahrhunderts verlief parallel zur rapiden Integration und Assimilation deut­scher Jüdinnen und Juden. Verbunden über den Anspruch auf Emanzipation, hat­te dies auch eine überproportionale Beteiligung jüdischer Personen innerhalb der Sozialdemokratie zur Folge. Jüdische Sozialdemokratinnen und Sozialdemokra­ten bildeten jedoch keine einheitliche Strömung in der Partei. Die Meinungsver­schiedenheiten und die sich bekämpfenden ideologischen Strömungen spiegel­ten sich auch in der jüdischen Mitgliedschaft wider. Das breite Spektrum jüdischer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten dient so auch als Beweis für die er­folgreiche Assimilation dieser Gruppe: Sie konnten innerhalb einer bestimmten Partei partizipieren, ohne dass ihre Herkunft dafür maßgeblich war; sie waren Teil eines Ganzen, ohne jedoch eine eigene Strömung oder eine Interessengemein­schaft zu bilden. In diesem Beitrag können nicht alle relevanten Akteure vorgestellt werden. Die Auswahl illustriert jedoch, wie vielfältig jüdische Positionen innerhalb der deut­schen Sozialdemokratie waren. Moses Hess(1812–1875) »Der Kommunistenrabbi Moses«, wie Arnold Ruge Moses Hess nannte, ist für viele der Gründer der deutschen Sozialdemokratie. 1 Diese Rolle ist fast in Ver­gessenheit geraten. Bekannter ist er dafür als Vordenker der zionistischen Bewe­gung: Hess, der in Bonn in eine orthodox-jüdische Familie geboren aufwuchs, war der erste Sozialist, der behauptete, dass die Zukunft der Welt von einer har­monischen Synthese zwischen verschiedenen nationalen Kulturen abhängig sei. Arnold Ruge, Zwei Jahre in Paris, Teil I, Leipzig 1846, S. 31, zit. nach Edmund Silberner, Sozialisten zur Judenfrage, Ein Beitrag zur Geschichte des Sozialismus vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1914, Berlin 1962, S. 181 ff.