Jüdische Menschen in der Arbeiterbewegung| Porträts – Debatten – Motive 97 Rosi Wolfstein-Frölich – Eine Jüdin auf dem Weg von der Sozialdemokratie zum Kommunismus und wieder zurück? Riccardo Altieri Fast alle kennen Rosa Luxemburg und die meisten auch ihre Kampfgefährtin Clara Zetkin. Mathilde Jacob, Luise Kautsky, Sonja Liebknecht und Mathilde Wurm sind häufig nur noch Kennern der sozialdemokratischen Geschichte ein Begriff. Doch wer war Rosi Wolfstein? Sie stand Luxemburg als Schülerin nicht nur besonders nahe, vielmehr ist es ihr Verdienst als preußische Landtagsabgeordnete, dass während der 1920er Jahre kontinuierlich über den ungeklärten Mord an Luxemburg gesprochen wurde. Doch welchen Stellenwert hatte ihre jüdische Herkunft für ihre politische Haltung? Eine»nicht-jüdische Jüdin« Vorweg sei gesagt: Rosi Wolfstein mag zwar einer jüdischen Familie entstammen, ist jedoch mit Isaac Deutschers Worten vielmehr eine»nicht-jüdische Jüdin«, 1 wurde also vor allem von ihren politischen Gegnern auf dieses Merkmal ihrer Persönlichkeit reduziert. Sie kam am 27. Mai 1888 in Witten an der Ruhr zur Welt. 2 Das Elternhaus war politisch und religiös liberal, aber kaisertreu. Nach dem finanziellen Ruin und Selbstmord ihres Vaters Samuel musste Rosi beim Einkommen für sich, ihre Mutter Klara und ihre Geschwister Berta, Wilhelmine und Paul mithelfen. 1905 beendete sie ihre Lehre zur Kauffrau und fand einen ersten Arbeitsplatz in einer Isaac Deutscher, Der nichtjüdische Jude, Berlin 1991. Lebenserzählung folgt hier und im Folgenden primär meiner Rosi-Wolfstein-Monographie. Vgl. Riccardo Altieri, Rosi Wolfstein-Frölich. Sozialdemokratin und Antimilitaristin, Berlin/Leipzig 2021. Dort sind sämtliche Quellen, die den biografischen Aussagen zugrunde liegen, verzeichnet. Noch eingehender ist meine Dissertation zum selben Thema. Vgl. Riccardo Altieri,»Antifaschisten, das waren wir…«. Rosi Wolfstein und Paul Frölich. Eine Doppelbiografie, Marburg 2022. Im Folgenden werden nur direkte Zitate und ggf. Einzelaspekte verfußnotet, für weitere Belege vgl. die beiden genannten Monographien.
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Jüdische Menschen in der Arbeiterbewegung : Porträts - Debatten - Motive
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