68 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 18 Elias Laub – Ein Verleger zwischen osteuropäisch-jüdischer und deutscher Arbeiterbewegung Stefan Braun Im Herbst 1897 wurde in Vilnius der»Allgemeine jüdische Arbeiterbund in Litauen, Polen und Russland«(kurz: Bund) gegründet. Der Bund hatte als sozialistische Arbeiterpartei den Anspruch, das jüdische Proletariat im Zarenreich, dessen Sprache das Jiddische war, zu organisieren. Er war jedoch nicht nur auf das Zarenreich beschränkt, sondern breitete sich von Beginn an als transnationale Bewegung aus. 1 Bundistische Student_innengruppen und Arbeiter_innenvereine entstanden bereits kurz nach der Gründung in verschiedenen Ländern. In Deutschland gründeten sich erste bundistische Zirkel bereits um die Jahrhundertwende. Zu den Bundist_innen im Kaiserreich gehörten unter anderem Sonja Lerch, deren Leben Ernst Toller im Drama»Masse Mensch« verarbeitete, Frida Rubiner, die dem ersten Zentralkomitee der KPD angehörte und der Verleger Elias Laub. Anhand der Biografie Laubs sollen hier biografische Entwicklungslinien von Bundist_innen in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts exemplarisch nachvollzogen werden. 2 Elias Laub wurde am 1. Oktober 1886 in Zagorow, Kalisz in eine chassidische Familie geboren. Um 1905 ging er wie viele andere osteuropäisch-jüdische Arbeitsmigranten nach Berlin und war dort als Zigarrenarbeiter tätig. Dort trat er 1907 Bund vgl. Gertrud Pickhan,»Gegen den Strom«. Der Allgemeine Jüdische Arbeiterbund»Bund« in Polen 1918–1939, Stuttgart u. a. 2001; Frank Wolff, Neue Welten in der Neuen Welt: Die Transnationale Geschichte des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes 1897–1947, Köln 2014. Jakob Stürmann, Die Auslandsvertretung des sozialdemokratischen jüdischen Arbeiterbunds der Sowjetunion im Berlin der Weimarer Republik, in: Markus Börner/Anja Jungfer/Jakob Stürmann (Hrsg.), Judentum und Arbeiterbewegung. Das Ringen um Emanzipation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Berlin/Boston 2018, S. 64–80, hier: S. 65 f.; Jacob Scholem Hertz, Dr. Sara Rabinovitsh, in: ders.(Hrsg.), Doyres Bundistn. Bd. 3, New York 1968, S. 189–191; Franz Kurski, Gezamelte Shriftn, New York 1952, S. 205.
Sammelwerk
Jüdische Menschen in der Arbeiterbewegung : Porträts - Debatten - Motive
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