Sammelwerk 
Jüdische Menschen in der Arbeiterbewegung : Porträts - Debatten - Motive
Entstehung
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Jüdische Menschen in der Arbeiterbewegung| Porträts Debatten Motive 113 Jakob Altmaier Vermittler und Wegbereiter der ­Wiedergutmachung Kristina Meyer Als Konrad Adenauer am 27. September 1951, kurz vor dem jüdischen Neujahrs­fest Rosch ha-Schana, im Bundestag eine Regierungserklärung zur Frage der Wie­dergutmachung abgab, saß im Plenum auch der SPD-Abgeordnete Jakob ltmaier. Für den 61-jährigen Sozialdemokraten war das offizielle Bekenntnis des Bundes­kanzlers zu einer materiellen Wiedergutmachung für die Verbrechen des Natio­nalsozialismus an den europäischen Jüdinnen und Juden nicht nur deshalb so bedeutsam, weil Altmaier selbst ein Überlebender der Shoah war. Er hatte auch im Vorfeld eine unverzichtbare Vermittlerrolle bei den geheim gehaltenen Vor­gesprächen zu jener Regierungserklärung gespielt. Nach einer Sitzung des Auswärtigen Ausschusses am 14. März 1951 hatte ­Altmaier Adenauer auf dem Flur angesprochen und um ein Gespräch zur Frage der Wieder­gutmachung gebeten. Schon tags darauf saß er im Kanzlerbüro und riet ­Adenauer dazu, direkte Verhandlungen mit der israelischen Regierung anzustreben. Der Kanzler ließ sich überzeugen und beauftragte Altmaier, den Kontakt zu einem Vertreter des Staates Israel herzustellen. 1 Für den in der kleinen jüdischen Com­munity der jungen Bundesrepublik gut vernetzten Remigranten war das kein Pro­blem: Bei der Einweihung der Frankfurter Synagoge hatte er den israelischen Kon­sul Eliahu K. Livneh kennengelernt, den er nun kontaktierte, um ihm Adenauers Anliegen vorzutragen. 2 Gegenüber Livneh erklärte Altmaier, er habe nicht im of­fiziellen Auftrag der SPD-Fraktion die Initiative ergriffen, sondern»rein privat als Jude«; in einem später verfassten Memorandum schrieb Altmaier jedoch, er Erich Ollenhauer, Sozialdemokratie und Wiedergutmachung(Entwurfsmanuskript, verfasst von Jakob Altmaier), o. D. 1953, in: Archiv der sozialen Demokratie(AdsD), Nachlass Jakob Alt­maier, 8. Christoph Moß, Jakob Altmaier. Ein jüdischer Sozialdemokrat in Deutschland(1889–1963), Köln u. a. 2003, S. 227.