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Jüdische Menschen in der Arbeiterbewegung : Porträts - Debatten - Motive
Entstehung
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Jüdische Menschen in der Arbeiterbewegung| Porträts Debatten Motive 17 Paul Singer»Nicht, wer ist der Mann, sondern: wie ist der Mann?« Ursula Reuter Paul Singer, 1844 als jüngstes Kind einer jüdischen Familie in Berlin geboren, war mehr als zwei Jahrzehnte zusammen mit August Bebel Vorsitzender der Sozial­demokratischen Partei und eine der prägenden Figuren der deutschen Sozialde­mokratie im Kaiserreich. Heute weitgehend vergessen, wirft seine ­ungewöhnliche Lebensgeschichte Schlaglichter nicht nur auf die Geschichte der Sozialdemokra­tie vor dem Ersten Weltkrieg, sondern allgemein auf die politischen und gesell­schaftlichen Entwicklungen und Verwerfungen im Kaiserreich. Am 31. Januar 1911 starb Paul Singer nach langer Krankheit im Alter von 67 Jah­ren in seiner Heimatstadt Berlin. Am darauffolgenden Sonntag begleiteten hun­derttausende Männer und Frauen seinen Sarg zum städtischen Friedhof in Fried­richsfelde. Der Trauerzug vom Vorwärts-Haus in der Lindenstraße zum acht Kilometer entfernten Friedhof war die»größte sozialdemokratische Demonstra­tion in Berlin, wenn nicht in Deutschland, vor dem Ersten Weltkrieg« 1 ein Er­eignis, das schon damals ganz unterschiedlich gelesen werden konnte. So schrieb Rosa Luxemburg an eine Genossin: »Wären Sie nicht() verhindert gewesen, am Begräbnis Singers teilzunehmen, so hätte Ihnen jener Tag viel Mut und Glauben an unsere Sache gegeben. Es war etwas Gewaltiges an Masse und an Idealismus. Die Sozialdemokratie ist eine Macht, und sie beherrscht jetzt wirklich schon die Herzen und die Hirne enor­mer Massen.« 2 Während die organisierten proletarischen Massen Luxemburg beeindruckten, ver­setzten sie die preußische Polizei in Alarmstimmung. Doch zeichnete sich ingers Thomas Lindenberger, Straßenpolitik. Zur Sozialgeschichte der öffentlichen Ordnung in Berlin 1900 bis 1914, Bonn 1995, S. 313. Der Beitrag beruht auf Ursula Reuter, Paul Singer(1844–1911). Eine politische Biographie, Düsseldorf 2004. Rosa Luxemburg, Gesammelte Briefe, Band 4, Juli 1911 bis 1914, Ostberlin 1987, S. 23.