120 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 18 Die Probleme Israels mitgelebt – Ludwig Rosenberg und Israel Frank Ahland Ein Foto von 1976 zeigt Ludwig Rosenberg im Arbeitszimmer in Ratingen-H ösel, einem, wie Werner Höfer treffend schrieb, bescheidenen Haus im Kapitalistenrefugium Hösel. Auf dem Bücherregal eine Menorah, ein Geschenk der»Histadrut«, auf dem Schreibtisch ein Wimpel des»Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold«, dem er seit seiner Gründung 1924 angehört hatte. Das Foto macht Rosenbergs Einstellung deutlich: auf dem Hintergrund der jüdischen Tradition und der bürgerlichen Herkunft der demokratischen Zukunft zugewandt. Geboren wurde Rosenberg am 29. Juni 1903 in Charlottenburg, wo seine Eltern ein Geschäft für Herren- und Knabengarderoben betrieben.»Onkel Benno«, der an Polio erkrankte Bruder seiner Mutter, war promovierter Rechtsanwalt und Notar – und der erste und wichtigste Mentor des Jungen. Die Familie sah sich der liberalen Tradition des Judentums verpflichtet, doch der junge Ludwig trat schon früh aus der Gemeinde aus. Er verstand sich zeitlebens weder als Jude noch als Zionist. Auch beruflich verweigerte er sich dem vorgezeichneten Weg: Er verließ die Schule ohne Abitur, den väterlichen Laden verkaufte er bald nach dessen Tod. 1928 wurde er Mitarbeiter der Gewerkschaft der Angestellten, einer liberalen Gewerkschaft, in der er rasch aufstieg. Als junger Mann begrüßte Rosenberg die neue demokratische Ordnung, erlebte aber auch die politischen Morde und Putsche hautnah mit. Die Demokratie und ihre Gefährdung wurden zu seinem Lebensthema. Im Frühjahr 1933 setze seine Gewerkschaft ihn, den Juden, vor die Tür. Arbeitslos kehrte er Deutschland den Rücken. Seine Verlobte Margot folgte ihm nach London. Bald darauf verheiratet, schlugen sie sich mühsam durch. Erst als das politische Exil in größerer Zahl Großbritannien erreichte, fand er Anschluss. Vor allem Hans Gottfurcht wurde ein enger Vertrauter. Dass seine Mutter und sein Onkel wie auch viele weitere Verwandte nicht mehr lebten, ahnte er schon wäh-
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Jüdische Menschen in der Arbeiterbewegung : Porträts - Debatten - Motive
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