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Karl Marx im Museum der Gegenwart : das Karl-Marx-Haus in Trier und seine Dauerausstellungen im historischen Wandel 1968-2018
Entstehung
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6 BIBLIOTHEK DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG| BAND 28 Vorwort von Thomas Welskopp »Einen sanfteren Tod, als Karl Marx in seinem Armsessel fand, kann man sich nicht wünschen«, schloss Friedrich Engels am 3. Mai 1883 den dramatischen Bericht von den letzten Leidensmonaten und-tagen seines engsten Freundes. Einen ewigen stillen Frie­den wünschte er ihm nicht. Der Kampf ging weiter. Für Engels hieß das, die Bedeutung und Geltung eines unvollendeten Werkes in der Wahrnehmung einer noch wenig ge­festigten internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung nachhaltig zu verankern, die er diesem Werk als allein angemessen zuerkannte, nämlich die unanfechtbare ideolo­gische Meinungsführerschaft auf der Grundlage»wissenschaftlicher« Autorität. So kann es nur auf den ersten Blick überraschen, dass Engels seine bewegende Geschich­te vom stoisch-heroischen Schmerzensmann Marx mit der tröstlichen Formel des»sanf­ten Todes« nicht einfach versöhnlich ausklingen ließ, sondern im direkt folgenden Satz gleichsam das Register wechselte:»Und nun zum Schluß noch eine gute Nachricht: Das Manuskript zum zweiten Band des ›Kapital‹ ist vollständig erhalten.[] Durch münd­liche Verfügung hat er[Marx] seine jüngste Tochter Eleanor und mich zu seinen litera­rischen Exekutoren ernannt.« Der König ist tot es lebe der König? Oder gar: Der Mensch Marx, den Engels so viele Jahre vergeblich gedrängt hatte, ihm selbst Manuskriptbruchstücke und-ruinen gescheiterter oder steckengebliebener Theo­riefortentwicklungen zu überlassen, um mit ihrer redaktionellen Überarbeitung die ab­gerissene Präsenz der beiden Londoner im internationalen sozialistischen Diskurs ­wiederherzustellen, mochte tot sein, bedauerlich: ein toter Freund. Aber mit seinem Ableben hatte nun auch die jahrelange unproduktive Blockade ihr Ende gefunden, die nicht nur in Engels Augen eine robustere Durchsetzung des»wissenschaftlichen Sozia­lismus« bis zu seinem Todestag verzögert hatte. Diese pragmatische Trennung zwischen einer immer weiter in den Hintergrund treten­den historischen Akteursfigur Marx und der mit Friedrich Engels einsetzenden Kano­nisierung eines Marxschen»Werkes«, das es in solcher Geschlossenheit ja gar nicht gab, hat in den nichtdialektischen Dualismus einer ikonisch zementierten, sterilen Marx­verehrung einerseits und auf die Schlachtfelder der ideologischen Auslegungsnahkämp­fe und Monopolisierungskonkurrenzen andererseits geführt. Jene Divergenz hatte die subversive Frechheit und Frische dieses Denkansatzes aus dem 19. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre gründlich ausgeräuchert. Gleichermaßen leblos, langweilig und ver­schroben: Hier der Staub auf wälderverzehrend verschriftlichten gelehrten Marxismen,