KARL MARX IM MUSEUM DER GEGENWART 103 5. Fazit und Ausblick Betrachtet man die aus der Analyse der Dauerausstellungen gewonnenen Erkenntnisse gelangt man dabei zu folgendem Ergebnis für die erste Leitfrage, welche Narrative von Marx vermittelt werden und durch welche Aspekte sich diese auszeichnen: Während sich in der 1968 eröffneten Dauerausstellung lediglich ein Narrativ herausarbeiten ließ – das des unpolitischen Sozialdemokraten, weil Marx in die Kontinuität der sozialdemokratischen Persönlichkeiten eingebettet wurde, – konnten in den anderen drei Ausstellungen von 1983, 2005 und 2018 stets vier Narrative herausgearbeitet werden. In der 1983er eröffneten Dauerausstellung konnten die folgenden Narrative analysiert werden: 1. des Sohnes der Stadt Trier, da hier in großem Ausmaß seine Kinder- und Jugendzeit dargelegt und auch in seinem späteren Leben auf dessen Trierer Zeit rekurriert wird. 2. Der Universalgelehrte, der sich in viele Disziplinen einlas, auf diesen Gebieten publizierte und wissenschaftliche Debatten mit großen Vertretern jener Disziplinen führte. 3. Das Narrativ des politischen Aktivisten, das Marx’ aktive Rolle als Journalist und Kopf der Internationalen betont, und 4. Marx als von Leid geprägte Person. Das Narrativ des von Leid geprägten Marx lässt sich dabei in drei verschiedene Dimensionen unterteilen: Einerseits wird seine Staatenlosigkeit thematisiert, andererseits die materielle und finanzielle Not auf der einen und das gesundheitliche Leid auf der anderen Seite – wenngleich diese sicherlich miteinander in Verbindung stehen und das eine das andere bedingte. In der 2005 eröffneten Dauerausstellungen ließen sich ähnliche Narrative in der Ausstellungsanalyse herausarbeiten, die jedoch anders akzentuiert sind: 1. Das Narrativ des universalgelehrten Querdenkers; Marx wird hier nicht nur als umfassend gebildeter Wissenschaftler dargestellt, sondern auch als streitbare Person, die zumeist auch den Konflikt mit seinen zeitgenössischen Gelehrten suchte und alles infrage stellte. 2. Das Narrativ des staaten- und geldlosen Marx betont die Not, die Karl Marx und seine Familie über lange Strecken seines Lebens begleitete. Auffällig ist hier jedoch einerseits, dass erklärt wird, dass es sich hier nicht um bittere Armut handelte und andererseits, dass konkret betont wird, dass Karl und Jenny Marx jene finanzielle Not selbst bzw. mit zu verschulden haben. Des Weiteren lässt sich 3. das Narrativ des Wandels vom politischen denkenden zum politisch handelnden Akteur erkennen: Marx wird zunächst als aufgeweckter Jugendlicher dargestellt, der über die politischen Entwicklungen nachdachte, jedoch zunehmend – auch aufgrund von wichtigen Zäsuren wie der Revolution 1848 – selbst aktiv werden wollte, um seine Gegenwart mitzugestalten. Abschließend wird 4. die Wirkung der marxschen Ideen in der 2005 eröffneten Dauerausstellung vermittelt,
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Karl Marx im Museum der Gegenwart : das Karl-Marx-Haus in Trier und seine Dauerausstellungen im historischen Wandel 1968-2018
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