26 BIBLIOTHEK DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG| BAND 28 3. Das Karl-Marx-Haus in Trier »In der ›Brückergasse‹ 664, heute Brückenstraße 10, stand 1818 die Wiege« von Marx. »Obwohl er in einem anderen Haus – in unmittelbarer Nähe der Porta Nigra – aufwuchs, wird es inzwischen allgemein das ›Karl-Marx-Haus‹ genannt.« 65 Jenes Karl-Marx-Haus wird in diesem Kapitel näher vorgestellt. Dabei werden sowohl die Geschichte des Gebäudes seit dem 18. Jahrhundert sowie seine spätere Rolle als umkämpftes politisches Symbol betrachtet als auch die ab 1968 bestehende Funktion als Museum, wobei der Fokus aufgrund der Zielsetzung der Arbeit auf die Rolle als Museum gelegt werden soll. Des Weiteren wird die konzeptionelle Planung der 1930 angedachten Dauerausstellung vorgestellt, da sie im späteren Analyseteil nicht untersucht werden kann, weil jene nie eröffnet wurde. Das Gebäude, in dem Karl Marx 1818 auf die Welt kam, wurde 1727 von einer Beamtenfamilie namens Polch 66 in einer Phase des Wiederaufbaus errichtet. Nachdem die Stadt Trier unter den Kriegen des 17. Jahrhunderts gelitten hatte und große Teile der Stadt von den Kriegen gezeichnet waren, konnte sich die Stadt erst unter der Führung von Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, welcher von 1716 bis Ende der 1720er Jahre Kurfürst und Erzbischof gewesen ist, wirtschaftlich erholen. Das Karl-Marx-Haus fügte sich dabei durch seinen Baustil in die Baukunst der Stadt Trier ein: Jene erlangte vergleichsweise spät – erst in den 1720er Jahren – zumindest entlang der Hauptstraßen ein barockgeprägtes Stadtbild. 67 Da die Errichtung des Karl-Marx-Hauses genau in diese Zeit fiel, zeichnet es sich durch einen barocken Stil aus und ist den zweistöckigen Mansarddachhäusern 68 zuzuordnen, welche ebenfalls eine repräsentative Funktion nach außen innehatten. Dennoch kommt Jürgen Herres zu dem Schluss, dass das Karl-Marx-Haus»ein bürgerliches Wohnhaus[war], seine Dimensionen waren bescheiden und seine Gestaltung zweckmäßig.« 69 65 Herres, Das Karl-Marx-Haus, S. 7. 66 Zu einer Betrachtung der Familie Polch, welche hier jedoch zu weit weg von der Zielsetzung der Arbeit führen würde, siehe ebd., S. 11–13. 67 Vgl. ebd., S. 11–15. 68 »Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert hatte sich im Wohnhausbau ein neuer Typus durchgesetzt: das Mansarddachhaus mit und ohne Dachgiebel und mit geschmücktem Portal. Die Vorliebe jener Zeit, die Persönlichkeit nach außen prunkvoll zur Geltung zu bringen, führte dazu, in das Portal des Hauses einen Schwerpunkt der architektonischen Leistung zu verlegen und den Besitzer und Erbauer durch Prunkwappen und Inschrift zu kennzeichnen. Die in Frankreich neu geschaffene Form des Mansarddachs, das eine gebrochene, oben eine flachere und unten eine steiler geneigte Fläche hat, wurde zu einem wichtigen Kennzeichen der Bauten im ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhundert.« Herres, Das Karl-Marx-Haus, S. 15. 69 Ebd., S. 15.
Druckschrift
Karl Marx im Museum der Gegenwart : das Karl-Marx-Haus in Trier und seine Dauerausstellungen im historischen Wandel 1968-2018
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten