KARL MARX IM MUSEUM DER GEGENWART 47 Fokus auf Marx’ Zeitgenossen liegt. Beim genauen Vergleich der beiden Ausgaben bestätigt sich jedoch dieser Verdacht nicht; sie sind inhaltlich identisch. Die unterschiedlichen Titel könnten jedoch darauf hindeuten, dass sich ausländische Besucher_innen womöglich mehr für Marx’ Zeitgenossen – allen voran Friedrich Engels – interessieren. Auf einen Ausstellungskatalog mussten die damaligen Besucher_innen – sowie heutige Wissenschaftler – leider verzichten: aufgrund von mangelnder personeller und finanzieller Mittel wurde ein solcher nie herausgegeben. 124 Hervorzuheben ist zudem, dass zur besseren Zuordnung sämtliche Dokumente in der Ausstellung mit einem Buchstaben versehen wurden, sodass eine leichtere Zuordnung möglich ist. Im Begleitbuch zur Ausstellung sind teilweise Dokumente mit einer Signatur aufgeführt, beispielsweise steht die Signatur 11/17.g für ein Dokument, das im elften Ausstellungsraum auf der siebzehnten Tafel zu finden ist und dort mit dem Buchstaben »g« versehen wurde. Im Folgenden werden diese Signaturen ebenfalls zur Zitation genutzt, um die Analyse nachvollziehbar zu gestalten. Da lediglich das Begleitbuch sowie die Ausstellungstafeln als Quellengrundlage zur Analyse dienen und keine Fotografien des Ausstellungsaufbaus überliefert sind, kann folgend nicht auf die räumliche Gestaltung eingegangen werden. Aus diesem Grund liegt der Fokus der Analyse auf der sprachlichen Gestaltung und den inhaltlichen Aussagen sowie der Gestaltung der Ausstellungstafeln. Strukturiert wird die Analyse dabei durch die herausgearbeiteten Narrative, die folgend genauer dargelegt werden sollen. Insgesamt lassen sich in der 1983 eröffneten Dauerausstellung vier verschiedene Narrative herausarbeiten, die in folgender Reihenfolge behandelt werden: 1. der Sohn der Stadt Trier, 2. der Universalgelehrte, 3. der politische Aktivist und 4. der von Leid geprägte. 4.2.1 Der Sohn der Stadt Trier Das erste Narrativ von Karl Marx als Sohn der Stadt Trier ist besonders im ersten Ausstellungsraum des Obergeschosses präsent. In diesem Zimmer, welches sich zentral mit der Person Karl Marx auseinandersetzt, wird die Lebensgeschichte»des großen Sohn[es] der Stadt« – wie er in der Ausstellung bezeichnet wird – bis 1844 thematisiert. 125 So wird mit den Biografien seiner Eltern, Heinrich und Henriette Marx, welche beide aus traditionsreichen Rabbinerfamilien stammten, begonnen und besonders auf Heinrich Marx’ Konvertierung vom Judentum zum Protestantismus eingegangen. Ergänzt wird 124 Vgl. Dietzen / Neu, Marx im Museum, S. 237. 125 Karl-Marx-Haus, Dauerausstellung von 1983, Karl Marx(1818–1883) Leben – Werk – Zeit. Ständige Ausstellung im Geburtshaus von Karl Marx, Trier 1983(folgend abgekürzt mit KMH-1983), 11/01, Text 1.
Druckschrift
Karl Marx im Museum der Gegenwart : das Karl-Marx-Haus in Trier und seine Dauerausstellungen im historischen Wandel 1968-2018
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