KARL MARX IM MUSEUM DER GEGENWART 45 Die Auswahl der Exponate geschieht infolgedessen auch subjektiv – der / die Kurator_in wählt jene so aus, dass diese zur Narration passen. 117 Dabei ist jedoch anzumerken, dass die 1968 eröffnete Ausstellung weniger von einer didaktischen Zielsetzung aus gedacht, als von der Sammlung ausgehend konzipiert gewesen ist. Die Ausstellungspraxis entsprach ihrer Zeit und den Gewohnheiten und Erwartungen der Besucher_innen: »Auf großen Holztafeln wurden Schwarz-Weiß-Reproduktionen von Dokumenten und Fotos zu Marx’ Leben, Werk und Wirken, zum Frühsozialismus sowie zu den Anfängen der internationalen Arbeiterbewegung gezeigt, aufgewertet durch eine Sammlung internationaler Erstausgaben des Kapitals.« 118 Die Ausstellung entwickelte sich dabei mit der Zeit weiter: Die im Laufe der Jahre akquirierten Originalausgaben der Werke von Marx und Engels wurden in die laufende Dauerausstellung integriert – bis diese zum 100. Todestag von Karl Marx am März 1983 schließlich neu konzipiert und überarbeitet im renovierten Karl-Marx-Haus wiedereröffnet wurde. 4.2 Der von Leid geprägte Marx – die Dauerausstellung von 1983 Nachdem das Karl-Marx-Haus in den Jahren 1982 und 1983 über zwölf Monate lang renoviert wurde, bot es als historisch-politisches Museum nun eine auf 450 m 2 erweiterte Ausstellungsfläche. 119 Um Raum zu schaffen, wurde nur einige Meter entfernt das Studienzentrum gegründet, in das die inzwischen auf 30.000 Bücher angewachsene Bibliothek sowie Büro- und Verwaltungsräume ausgelagert wurden. Somit erstreckte sich die 1983 eröffnete Dauerausstellung über das gesamte Gebäude. Die Dauerausstellung nahm wie auch die von 1968 eine Marx-Biografie als Textgrundlage: in diesem Fall die 1974 erschienene Marx-Biografie des britischen Historikers D avid McLellan. Zusätzlich flossen Ergebnisse der hauseigenen Forschung in die Ausstellung ein – Originaldokumente und Faksimiles wurden durch Transkriptionen und Erläuterungen ergänzt. Thematisch widmete sich die Ausstellung mithilfe von Wandtafeln und-büchern dem Leben und Werk von Karl Marx und Friedrich Engels. Dabei wurde eine chronolog ische Reihenfolge zur besseren Besucherorientierung und-anleitung gewählt. Zeitlich schloss die Ausstellung mit der Russischen Revolution von 1917 ab – wahrscheinlich, weil man in Zeiten der politischen Teilung und des Systemwettstreits Marx nicht in Verbindung mit 117 Vgl. Flacke, Ausstellen als Narration, S. 253. 118 Dietzen / Neu, Marx im Museum, S. 236. 119 Vgl. Herres, Das Karl-Marx-Haus, S. 94.
Druckschrift
Karl Marx im Museum der Gegenwart : das Karl-Marx-Haus in Trier und seine Dauerausstellungen im historischen Wandel 1968-2018
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