KARL MARX IM MUSEUM DER GEGENWART 59 terischer Sicht – weniger wie eine Ausstellung, die als eine Erzählung im Raum verstanden wird, sondern eher wie ein Buch an den Wänden, welches die Besucher_innen erst studieren müssen. Zu einem ähnlichen Urteil kommt auch Jürgen Herres, wobei er dennoch im Jahr 1993 die wichtige Rolle der 1983er Ausstellung in dieser Zeit hervorhebt: »Angesichts der Instrumentalisierung, Verzerrung und Dogmatisierung von Karl Marx und Friedrich Engels und ihrem Denken in den ehemals kommunistischen Staaten Osteuropas, nicht zuletzt in der ehemaligen DDR, stellte die der Trierer Ausstellung zugrundeliegende historisierende Annäherung an Karl Marx und Friedrich Engels einen großen Fortschritt dar. Die Ausstellung, die gerade durch die Konfrontation mit der dogmatischen hagiographischen Enge anderer Ausstellungsversuche kritisch, erhellend und interessant wirkte, hat auch nach den jüngsten politischen Umwälzungen nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt.« 173 Die 1983 im Karl-Marx-Haus eröffnete Dauerausstellung stellte für Westdeutschland eine Errungenschaft dar, da Marx normalerweise als Feindbild dargestellt wurde – nun konnte man sich aber zumindest historisierend mit seiner Person und seinem Werk beschäftigen. Die politische Wende 1989/90 wirkte sich zwar nicht auf die Konzeption der Ausstellung aus, wohl aber auf die Besucherzahlen und die Rezeption. Während die Zahl der Besucher_innen stetig sank, nahm die Kritik zu, dass die Ausstellung die Weiterentwicklung von Marx’ Ideen im 20. Jahrhundert ebenso wenig thematisierte, wie sie die Gegenwart betrachtete. Das Karl-Marx-Haus sah die Notwendigkeit, die Dauerausstellung neu zu konzipieren. 174 4.3 Der politisierte Gelehrte – die Dauerausstellung von 2005 »Marx ist aus der Geschichte des 19. Jahrhunderts nicht wegzudenken. Er hat sie geprägt wie nur wenige andere« 175 , erklärt Kurt Beck im Geleitwort des Ausstellungskataloges zur 2005 eröffneten Dauerausstellung. »Die Ausstellung im Karl-Marx-Haus will auf anschauliche Weise informieren: über die Person von Karl Marx, sein Leben, sein Werk, seine Bundesgenossen und seine Gegner. Ebenso wird auch über die Wirkungsgeschichte berichtet, die vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart reicht und damit ein Panorama des 20. Jahrhunderts einschließt.« 176 173 Herres, Das Karl-Marx-Haus, S. 95 f. 174 Vgl. Dietzen / Neu, Marx im Museum, S. 239. 175 Kurt Beck, Zum Geleit, in: Friedrich-Ebert-Stiftung / Karl-Marx-Haus(Hrsg.), Karl Marx(1818–1883). Leben – Werk – Wirkung bis zur Gegenwart. Ausstellung im Geburtshaus in Trier, Bonn 2013 3 , S. 5, hier S. 5. 176 Beatrix Bouvier / Anja Kruke, Die Dauerausstellung im Karl-Marx-Haus, in: Friedrich-Ebert-Stiftung / KarlMarx-Haus(Hrsg.), Karl Marx(1818–1883). Leben – Werk – Wirkung bis zur Gegenwart. Ausstellung im Geburtshaus in Trier, Bonn 2013 3 , S. 7–12, hier S. 7.
Druckschrift
Karl Marx im Museum der Gegenwart : das Karl-Marx-Haus in Trier und seine Dauerausstellungen im historischen Wandel 1968-2018
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