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Karl Marx im Museum der Gegenwart : das Karl-Marx-Haus in Trier und seine Dauerausstellungen im historischen Wandel 1968-2018
Entstehung
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98 BIBLIOTHEK DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG| BAND 28 ­beginnend mit den frühen Arbeiterbewegungen bis hin zum Ost-West-Konflikt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 4.4.4 Der ewig Aktuelle »Als Philosoph, Gesellschaftswissenschaftler, Ökonom und politischer Journalist blickt Marx auf seine Zeit und entwickelt Perspektiven auf eine Zukunft, die unsere Gegenwart sein soll.[] Trotz der politischen Instrumentalisierungen im 20. Jahrhundert bleiben im 21. Jahrhundert Marx Anspruch, die Welt zu verändern, und seine Fragen nach den Ur­sachen von Armut und Wohlstand relevant.« 289 Ausgangspunkt des Narrativs, dass Marx auch nach seinem Tod nicht an Aktualität ein­büßte und stets, bis heute, aktuell gewesen ist, ist interessanterweise sein Sterbesessel der Londoner Wohnung. Das im siebten Ausstellungsraum 290 präsentierte Exponat ver­mutlich das bedeutendste der gesamten Ausstellung symbolisiert Marx Wirkung über seinen Tod hinaus. 291 Zwar starb der Mensch Karl Marx in diesem Sessel, dennoch über­dauert er als(politische) Figur aufgrund seiner Werke und seiner Nutzung durch ver­schiedene Gruppen. Jedoch wird im Raumtext bereits relativiert, dass seine Wirkung damals noch nicht erwartbar war.»Trotz seiner Bekanntheit ist nicht absehbar, dass er eine der wirkmächtigsten Personen des 20. Jahrhunderts werden wird.« 292 Dennoch be­tonen die Autor_innen der Ausstellungstexte hier, dass Marx eine der»wirkmächtigsten Personen des 20. Jahrhunderts« gewesen ist. Des Weiteren wird noch einmal die Band­breite seiner Ideen und der Wirkungskreis näher thematisiert, indem von der»globa­le[n] Wirkung marxscher Ideen« 293 gesprochen wird. Neben der Betonung des globalen Wirkungsgrades von Marx Ideen also der räumli­chen Dimension thematisiert die Ausstellung auch die zeitliche Dimension, indem die Aktualität der marxschen Ideen betont wird:»Die weltweite Armut, die politischen und wirtschaftlichen Krisen machen Marx Fragen nach deren strukturellen Ursachen im 21. Jahrhundert aktuell.« 294 Es wird somit dafür argumentiert, dass Karl Marx auch 289 KMH-2018, Raum 1: Einführungstext»Von Trier in die Welt: Karl Marx, seine Ideen und ihre Wirkung bis heute«. 290 Ausstellungsraum 7 fungiert dabei als Übergangsraum vom Werk zur Wirkung interessanterweise nimmt hierbei auch der Sterbesessel eine zentrale Rolle ein. 291 Ausstellungstexte und Exponate unterscheiden sich in ihrer Funktion: Während die Ausstellungstexte die Narration der Ausstellung und Informationen vermitteln, dienen die Exponate dazu, die Authentizität je­ner Narration zu erhöhen und sie den Besucher_innen»greifbar« zu machen, vgl. Flacke, Ausstellen als Narration, S. 256. Das Ausstellen des Sterbesessels ist ein gutes Beispiel, da hier der Tod von Marx greifbar gemacht wird. Dadurch, dass Karl Marx in diesem Sessel starb und er auch besonders präsentiert wird, wird jene Aura, die Exponate umgibt, hier verstärkt, Walz, Theorie und Praxis, S. 156. 292 KMH-2018, Raum 7, Raumtext:»Karl Marx stirbt, aber seine Ideen leben weiter«. 293 KMH-2018, Raum 7, Raumtext:»Die globale Wirkung marxscher Ideen«. 294 Ebd.