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Ganztag und Bildungsgerechtigkeit : Ganztag und dessen Auswirkungen auf Bildungsgerchtigkeit aus der Perspektive von beteiligten Akteuren (GanzBiG) : eine explorative Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung
Entstehung
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1. Einleitung Um was geht es? 1.1 Ausgangslage und Problemstellung 1 Bildungsgerechtigkeit gilt als ein zentrales Anliegen mo­derner Bildungssysteme und als wesentlicher Indikator für soziale Gerechtigkeit innerhalb unserer Gesellschaft. Die Einführung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung ab August 2026 für Grundschulkinder in Deutschland mar ­kiert dabei einen wichtigen bildungspolitischen Meilenstein (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Ju­gend[BMFSFJ], 2021). Mit diesem Rechtsanspruch, der bis 2029 auf die Jahrgangsstufen 2 bis 4 ausgeweitet wird, zie ­len politische Entscheidungsträger*innen darauf ab, struk­turelle und punktuelle Bildungsbarrieren abzubauen, Chan­cengerechtigkeit zu fördern und Ungleichheiten zu kom­pensieren. Ziel ist es, allen Kindern unabhängig von ihrer sozialen oder wirtschaftlichen Herkunft einen gleichwer­tigen Zugang zu Bildungs- und Betreuungsangeboten zu ermöglichen. Die Ganztagsschule wird dabei nicht nur als Ort der schuli­schen Bildung, sondern auch als soziale Bildungsinstitution betrachtet, die mit zahlreichen Erwartungen verbunden ist (vgl. Kap. 2.1.3). Ein besonderer Fokus liegt dabei darauf, wie diese Institution einen Beitrag zu mehr Chancenge­rechtigkeit leisten kann. Zahlreiche Studien, wie die zur Entwicklung von Ganztagsschulen(StEG)(2019), die IQB­Studie(2021), der Bildungsbericht(2022) oder die IGLU-Stu ­die(2023), haben gezeigt, dass Bildungsungleichheiten in Deutschland nach wie vor bestehen und vor allem Kinder mit spezifischem Förderbedarf betroffen sind sei es auf­grund eines Migrationshintergrunds, eines niedrigen sozio­ökonomischen Status oder ihrer besonderen Bedürfnisse. Hier sollte die Ganztagsschule im Idealfall durch gezielte Angebote und Fördermaßnahmen entgegenwirken. Dabei stellen sich jedoch Fragen nach der tatsächlichen Umset ­zung und den wahrnehmbaren Effekten. Aus bisherigen Studien, wie der des Deutschen Jugendinstituts(DJI, 2021), geht hervor, dass die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung noch von erheblichen regionalen Un­terschieden geprägt ist. Untersuchungen der Bertelsmann Stiftung(2022) verdeutlichen, dass Investitionen in Perso ­nal und Infrastruktur entscheidend für die Qualität der An­gebote sind. In den letzten Jahren hat die Anzahl an For­schungen im Bereich des Ganztags und damit zusammen­hängender Aspekte, etwa der multiprofessionellen 1 Zülal Akpolat, Adriana Fetscher und Johannes Gehring wirkten als studentische Hilfskräfte fachlich kompetent und engagiert an der Erarbeitung des Forschungsbe­richts mit. Kooperation, deutlich zugenommen(Hochfeld& Rothland, 2022; Kielblock& Theis, 2020). Allerdings gibt es bislang kaum Untersuchungen, die explizit die Perspektiven von Grundschullehrer*innen, pädagogischen Fachkräften(Er­zieher*innen), Eltern sowie Schüler*innen in Bezug auf Bil­dungsgerechtigkeit einholen und in den Blick nehmen, wie diese die Auswirkungen der Ganztagsschule auf Bildungs­gerechtigkeit wahrnehmen. Welche Faktoren tragen ihrer Ansicht nach dazu bei, dass die angestrebten Ziele erreicht werden; welche Herausforderungen werden von ihnen wahrgenommen? Diese Fragestellungen bilden den Aus­gangspunkt der vorliegenden Studie. 1.2 Zielsetzung der Studie Die explorative Studie untersucht die wahrgenommenen Auswirkungen der Ganztagsgrundschule auf Bildungsge­rechtigkeit aus der Perspektive von Lehrpersonen und päd­agogischen Fachkräften(Erzieher*innen in Leitungsfunkti­on und Betreuung). Die Wahrnehmung und Beobachtung dieser zentralen Gruppen ist von besonderer Bedeutung, da sie unmittelbar an der Umsetzung des Ganztags beteiligt sind und einen einzigartigen Einblick in die alltägliche Pra­xis und deren Herausforderungen bieten. Ziel ist es, sowohl positive Effekte zu identifizieren als auch potenzielle Hin­dernisse und Optimierungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Im Fokus der Untersuchung stehen dabei: die wahrgenommenen Auswirkungen auf Bildungsgerechtigkeit im Zusammenhang mit schulischen Leistungen und sozialen Kompetenzen; die Partizipation vulnerabler Gruppen an Ganztagsangeboten; die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Lehrpersonen und außerschulischen Partner*innen. Angesichts der begrenzten Projektlaufzeit von drei Mona ­ten kann die Studie keine langfristigen Wirkungsanalysen leisten. Stattdessen verfolgt sie das Ziel, erste qualitative Einblicke in die Perspektiven von Praktiker*innen zu gewin­nen, die als Ausgangspunkt für weiterführende Studien, Diskussionen und konzeptionelle Weiterentwicklungen die­nen können. Die Datenerhebung fokussiert insbesondere Lehrpersonen bzw. pädagogische Fachkräfte der Betreuung von gebundenen und offenen Ganztagsschulen im Boden­4 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.