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Ganztag und Bildungsgerechtigkeit : Ganztag und dessen Auswirkungen auf Bildungsgerchtigkeit aus der Perspektive von beteiligten Akteuren (GanzBiG) : eine explorative Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung
Entstehung
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schen Evaluationen, was die Effektivität der Ganztagsmo­delle einschränkt. Die Forschung verdeutlicht, dass Ganztagsschulen ein er­hebliches Potenzial zur Förderung von Bildungsgerechtig­keit bieten, was durch Studien belegt wird, die verschiede­ne Teilaspekte dieses Zusammenhangs untersuchen(Bött­cher et. al., 2011, S. 102–113; StEG, 2019; Fischer& Kielblock, 2022, S. 411–431). In Baden-Württemberg ist der Anteil der Ganztagsschulen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. So lag der Anteil der Ganztagsschulen an Grundschulen im Schuljahr 2017/18 bei 33,9%, an Werkre ­al- und Hauptschulen bei 36,2% und an Realschulen bei 28,3%. Bei Gymnasien betrug der Anteil 29,9%, während Gemeinschaftsschulen mit 93,0% den höchsten Anteil auf ­wiesen(Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg [IBBW], 2018, S. 14). Trotz dieses Ausbaus bestehen weiterhin erhebliche Her­ausforderungen in der praktischen Umsetzung. Dazu gehö­ren unzureichende Ressourcen, fehlende Qualitätssiche­rung und unklare Zuständigkeiten innerhalb multiprofes­sioneller Teams. Eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Ganztagsmodelle erfordert daher verbindliche Standards, eine stärkere Integration von Förderangeboten in den Un­terricht und professionelle Unterstützung für die multipro­fessionelle Zusammenarbeit. Nur so können die Bildungs­chancen für alle Kinder unabhängig von ihrer sozialen Herkunft nachhaltig verbessert werden. 3. Studienanlage Eigene Forschung 3.1 Anlage der Studie Forschungsdesign und Zielgruppe Die vorliegende Studie knüpft an die Auseinandersetzung und den Zusammenhang von Ganztag und Bildungsge­rechtigkeit an. Sie nimmt die positiven und negativen Aus­wirkungen der Ganztagsschule auf Bildungsgerechtigkeit aus der Perspektive von Lehrpersonen(teils mit Schullei­tungsfunktion), pädagogischen Fachkräfte(Erzieher*innen) sowie Vertreter*innen der Bildungsverwaltung und kommu­naler Träger in den Blick. Die Wahrnehmung von Lehrpersonen und pädagogischem (Betreuungs-)Personal sowie damit verbunden deren Ein­stellung und Haltung und ihre Beobachtungen erweisen sich als zentral für eine gelingende Einführung und Umset­zung des Ganztags(Holtappels, 2013), weshalb in der Stu ­die explizit deren Perspektive fokussiert wird. Angesichts des knapp bemessenen Projektzeitraums von drei Monaten ist es nicht möglich, eine langfristige Wirkungsstudie durchzuführen, die z. B. eines Längsschnitt-Designs bedürf­te(Taris, 2000). Zugleich ermöglicht die Studie aber einen konkreten Einblick in die Wahrnehmungs- und Beobach­tungsperspektive der Praktiker*innen aus der Praxis heraus, was wiederum als Ausgangspunkt zukünftiger Studien so­wie für(Bildungs-)Empfehlungen genutzt werden kann. Ausgehend von der Forschungsfrage, welche positiven und negativen Auswirkungen sich durch den Ganztag auf Bil­dungsgerechtigkeit in der Wahrnehmung der beteiligten Akteur*innen beobachten lassen, wurde ein qualitativ-aus­gerichteter Forschungszugang gewählt. 3.2 Sampling, Datenerhebung, Vorgehen Die Studie fußt auf einer qualitativ ausgerichteten Daten­erhebung mittels leitfadengestützter, problemzentrierter In­terviews(Witzel, 2000) mit zwölf Befragten, wovon die eine Hälfte der Befragten an rhythmisierten, voll oder teil­weise gebundenen Ganztagsgrundschulen und die andere Hälfte an offenen Ganztagsgrundschulen mit Betreuungs­angeboten tätig waren. Darüber hinaus war insofern eine Kontrastierung gegeben, als dass die Schulen nicht nur über unterschiedlich langjährige Erfahrungen im Ganztag verfügen von weniger als fünf Jahren bis hin zu über 15 Jahren Expertise, sondern auch Startchancenschulen 2 mit ins Sampling aufgenommen wurden, um eine breitere Viel­falt an Rahmenbedingungen und Ansätzen abzubilden. Diese Gegenüberstellung ermöglicht es, verschiedene Be­dingungen und Konstellationen in den Blick zu nehmen (Przyborski& Wohlrab-Sahr, 2014, S. 190 ff.). Insgesamt sechs Interviews wurden teils direkt an den Schulen vor Ort oder digital per Zoom durchgeführt. Es wurde darauf ge­achtet, offene, erzählgenerierende Stimuli zu setzen, um vertiefte Einblicke zu gewinnen. Die Interviews dauerten durchschnittlich 60–90 Minuten, wurden auditiv aufge ­zeichnet und anhand der Transkriptionsregeln von Dresing und Pehl(2015) verschriftlicht. An den Interviews nahm je ­weils ein Tandem teil, bestehend aus einer Lehrperson und einer pädagogischen Fachkraft aus dem Betreuungsbe­2 Das Starterchancen-Programm ist ein bundesweites Förderprogramm ab 2024/25 zur Unterstützung von bis zu 4000 Schulen mit besonderen sozialen Herausforderun­gen. Es stellt über zehn Jahre zusätzliche Mittel für Personal, Sachausstattung und Infrastruktur bereit. In Baden-Württemberg profitieren vorrangig Schulen mit hohem Anteil sozial benachteiligter Schüler*innen(Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, n. d.). Ganztag und Bildungsgerechtigkeit 9