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Ganztag und Bildungsgerechtigkeit : Ganztag und dessen Auswirkungen auf Bildungsgerchtigkeit aus der Perspektive von beteiligten Akteuren (GanzBiG) : eine explorative Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung
Entstehung
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deren Förderbedarfen haben signifikant geringere Chancen auf schulischen Erfolg. Diese Gruppen erreichen beispiels­weise seltener das Abitur als Gleichaltrige aus bildungsna­hen Haushalten. Hier wird der strukturelle Zusammenhang zwischen sozialem Hintergrund und Bildungserfolg beson­ders deutlich. Frühe Selektion: Die Aufteilung der Schüler*innen auf ver­schiedene Schulformen nach der vierten Klasse zählt zu den meistkritisierten Aspekten des deutschen Bildungssys­tems. Sie verstärkt soziale Ungleichheiten, da die Zuwei­sung oft weniger auf individuellen Fähigkeiten als vielmehr auf der sozioökonomischen Herkunft basiert. Studien(z. B. Bildungsbericht, 2022) zeigen, dass in Deutschland die Her ­kunft ein zentraler Indikator für den Bildungserfolg dar­stellt. Ungleiche Ressourcenverteilung: Zusätzlich verschärft die ungleiche Ausstattung von Schulen in verschiedenen Regi­onen die Bildungsungerechtigkeit. Schulen in wohlhaben­den Regionen profitieren von moderner Infrastruktur und qualifiziertem Personal, während strukturschwache Gebiete häufig mit Ressourcenmangel kämpfen. Diese Ungleichver­teilung hemmt gezielte Fördermaßnahmen für(benachtei­ligte) Schüler*innen. Potenziale der Ganztagsschule: Ein zentraler Ansatzpunkt in der aktuellen Bildungsdebatte ist die Einführung von Ganztagsschulen, die als Instrument zur Reduzierung von Ungleichheiten gelten. Durch längere Betreuungszeiten und zusätzliche Förderangebote eröffnen sie Chancen für benachteiligte Kinder. Studien, etwa die StEG-Studie(2019), belegen positive Effekte auf soziale Integration und schuli­sche Leistungen. Dennoch hängt der Erfolg maßgeblich von der Qualität und Umsetzung solcher Programme ab. Zusammenfassend ist zu konstatieren, dass die Begriffe ,soziale Disparitäten, ,frühe Selektion und ,ungleiche Res­sourcenverteilung zentrale Diskurslinien abbilden, die die Debatte um Bildungsgerechtigkeit in Deutschland struktu­rieren. Die Ganztagsschule wird dabei als Schlüssel zu mehr Bildungsgerechtigkeit angesehen, bedarf jedoch einer konsequenten Weiterentwicklung und Evaluation, um die bestehenden Herausforderungen langfristig zu adressieren. 2.3 Ganztag und Bildungsgerechtigkeit Forschungsstand 2.3.1 Forschung zu den Auswirkungen des Ganztags­modells auf die Bildungsgerechtigkeit Der Forschungsstand zu Ganztagsschulen und Bildungsge­rechtigkeit zeichnet ein vielschichtiges Bild über die Wir­kungsweise dieser Bildungsinstitutionen. Ganztagsschulen gelten zunehmend als zentraler Ansatzpunkt zur Reduzie­rung von Bildungsungleichheiten, da sie durch längere Be­treuungszeiten, zusätzliche Förderangebote und erweiterte soziale Lernräume insbesondere benachteiligten Schü­ler*innen zugutekommen können. Gleichwohl bleibt ihre Wirkung stark abhängig von der Qualität der Umsetzung sowie den institutionellen Rahmenbedingungen. Effekte von Ganztagsschulen auf Bildungsgerechtigkeit: Die StEG-Studie(2019)(StEG, 2019) hebt hervor, dass Ganz ­tagsmodelle die individuelle Förderung und soziale Teilha­be stärken können. Sie bieten zusätzliche Ressourcen und Lerngelegenheiten, die besonders Kindern aus sozioökono ­misch schwächeren Haushalten zugutekommen. Rutz (2007) betont, dass Ganztagsschulen das Potenzial haben, zukunftsorientierte Bildung zu schaffen, wenn klare Rah­menbedingungen vorliegen. Laut Klaffenböck(2021) erzie ­len verschränkte Ganztagsschulen in sozial benachteiligten Gebieten eine Verbesserung der sozialen Integration, der Pünktlichkeit und der Partizipation vulnerabler Gruppen. Gleichzeitig veranschaulicht die Forschung, dass fachliche Leistungsunterschiede oftmals bestehen bleiben, da die Qualität der Bildungsangebote entscheidend ist(Sauer­wein, 2019). Multiprofessionelle Kooperation als Schlüsselfaktor: Die Zu­sammenarbeit verschiedener Professionen in Ganztags­schulen wird als zentrales Element für die Förderung von Bildungsgerechtigkeit gesehen. Hochfeld und Rothland (2022) unterstreichen, dass multiprofessionelle Teams be ­sonders effektiv sind, wenn sie durch klare strukturelle Rahmenbedingungen und regelmäßige Abstimmungen un­terstützt werden. Speck(2022) ergänzt, dass der Erfolg sol ­cher Teams maßgeblich von ihrer Integration in den Schul­alltag abhängt. Herausforderungen entstehen laut Otto (2024) jedoch durch Hierarchien zwischen Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften, da Letztere häufig als weniger entscheidungsbefugt wahrgenommen werden. Soziale Disparitäten und die Rolle der Ganztagsschule: Ganztagsschulen können dazu beitragen, soziale Disparitä­ten zu reduzieren, indem sie durch die Verzahnung von Un­terricht und außerunterrichtlichen Angeboten ganzheitliche Förderung ermöglichen(Ramseger& Wagener, 2008). Gleichzeitig verdeutlichen Sauerwein(2019) und Rutz (2007), dass die positive Wirkung solcher Modelle stark von verbindlichen Qualitätsstandards und der konsequenten Umsetzung abhängig ist. Ohne diese Voraussetzungen bleibt das Potenzial der Ganztagsschule häufig ungenutzt und ihre Wirkung auf die Reduzierung von Bildungsun­gleichheiten limitiert. Internationale Vergleiche: Wenngleich ein Blick auf interna­tionale Modelle aufgrund der länderspezifischen Gegeben­heiten nur bedingt für Vergleiche herangezogen werden kann, so zeigt sich, dass Länder wie Frankreich und Groß­britannien Ganztagsschulen flächendeckend etabliert ha­ben. In Frankreich ist die Ganztagsschule seit Langem gän­gige Praxis und fest in der Gesellschaft verankert. In Groß­britannien sind Ganztagsschulen ebenfalls weitverbreitet und werden als Standard betrachtet. In Deutschland hinge­gen fehlt es oft an verbindlichen Vorgaben und systemati­8 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.