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Ganztag und Bildungsgerechtigkeit : Ganztag und dessen Auswirkungen auf Bildungsgerchtigkeit aus der Perspektive von beteiligten Akteuren (GanzBiG) : eine explorative Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung
Entstehung
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Handlungsempfehlungen an verschiedene Akteur*innen 1. Bildungsverwaltungen: Förderung eines professionsübergreifenden Verständnisses Bildungsverwaltungen sollten in der Ausbildung von Lehrkräften und päd­agogischen Fachkräften ein professi­onsübergreifendes Verständnis von Bildungsgerechtigkeit verankern. Dies kann durch die Integration von The­men wie individueller Förderung und Diagnostik sowie die Sensibilisierung für die Bedürfnisse vulnerabler Grup­pen geschehen. Diese Aussage ver­deutlicht, dass Bildungsgerechtigkeit nicht nur ein theoretisches Konzept bleiben darf, sondern aktiv in die Ge­staltung von Bildungsangeboten ein­fließen muss.Das perfekte Ziel, das man haben könnte,[ist], dass alle die gleiche Chance haben und so weiterge­hen.(Degas-Schule, 2024, S. 25) 4. Politik: Arbeitszeitflexibilität und multiprofessionelle Teams stärken Auf Bundes-, Landes- und kommuna­ler Ebene sollten Rahmenbedingun­gen für flexible Arbeitszeitmodelle ge­schaffen und das starre Deputatssys­tem überdacht werden, um eine bessere Verzahnung von Unterricht und Ganztagsangeboten zu ermögli­chen. Flexible Schichtsysteme und/ oder gemeinsame Zeitfenster könnten die Zusammenarbeit im Ganztag erheblich erleichtern. Gleichzeitig braucht es stärker profes­sionalisierte und qualifizierte, multi­professionelle Teams, die neben Erzie­her*innen und Sozialpädagog*innen auch Fachkräfte aus Theaterpädago­gik, Kunsttherapie oder Sport einbin ­den. Während ein gebundener Ganz­2. Pädagogische Leitungen: Schaffung verbindlicher Zeit- und Austauschfenster Leitungen sollten feste Zeitfenster für Absprachen und Fallbesprechungen zwischen Lehrkräften und pädagogi­schen Fachkräften etablieren. Dies würde eine intensivere Zusammenar­beit ermöglichen und die Verzahnung von Unterricht und Ganztagsangebo­ten stärken. Derzeit fehlen allerdings regelmäßige Übergabe- und Aus­tauschzeiten, in denen sich die päda­gogischen Fachkräfte abstimmen kön­nen. Dadurch mangelt es sowohl für Kinder als auch für Erwachsene an geschützten Räumen für Abstim­mung, Reflexion und Rückzug:Seit es mehr geöffnet wurde, sind die Kin­der dafür viel freier. Es fehlt, glaube ich, für alle Erwachsene wie Kinder an Rückzugs- und[Austausch-]Orten. (Banksy-Schule, 2024, S. 9) tag von festen Strukturen profitiert, könnte ein offenes Modell durch vari­ablere Einsätze gestärkt werden. Kooperationen mit externen Part ­ner*innen wie Umweltbildungszent­ren oder Sportvereinen sind essenziell, um das Angebot zu erweitern und schulisches Personal zu entlasten. Dafür braucht es langfristige struktu­relle Anpassungen statt kurzfristiger Projektförderung. Das pädagogische Fachkräfteteam ist ein multiprofessionelles Team, da habe ich von Theaterpädagogen über Erzie­her, Sozialpädagogen, Kunsttherapeu­ten, also alles mit dabei.[] In Koope­ration gehen wir mit dem Stadtacker zum Beispiel, mit der Öko-Station hier auf dem Wattberg, mit der Stadtteilbi­bliothek, mit zwei Sportvereinen sind wir in Kooperation(Caravaggio-Schu­le, 2024, S. 9) 3. Kommunen: Flexible Mittelverwendung für bedarfsgerechte Unter­stützung Kommunen oder Städte sollten Schu ­len mehr Spielraum bei der Verteilung der Gelder geben, damit diese gezielt für aktuelle Bedarfe eingesetzt wer­den können. Besonders in den Berei­chen AG-Angebote und Personalver­waltung existiert ein hoher Hand­lungsbedarf. Mehr Flexibilität vor Ort würde ermöglichen, schneller auf die Bedürfnisse der Schüler*innen zu re­agieren.Natürlich, wenn es brennt, dann dürfen wir. Aber wir können es nicht regulär einplanen, weil die Res­sourcen immer wieder abgezogen wer­den können(Eliot-Schule, 2024, S. 3) 4.1 Campus-Idee: Bildungs- und Betreuungs­angebote bündeln Um Familien besser zu unterstützen und Kindern umfassendere Lern- und Freizeitmöglichkeiten zu bieten, könn­te ein Campus-System entwickelt wer­den, das Bildungs-, Kultur- und Frei ­zeitangebote bündelt. Dies würde Kindern unabhängig von ihrer Be ­treuungsform den Zugang zu viel­fältigen Aktivitäten ermöglichen, etwa Musik- oder Sportkursen am Nachmit­tag. Erste Ansätze bestehen bereits, doch eine strukturelle Umsetzung wäre wünschenswert:[] mir [schwebt] auch so eine Art Campus­System vor, wo einfach viele Sachen schon mit drin sind, die einfach... So, dass die Kinder wirklich davon profitie­ren können und das auch mitnutzen können.(Allegrain-Schule, 2024, S. 12) Ganztag und Bildungsgerechtigkeit 23