Handlungsempfehlungen an verschiedene Akteur*innen 1. Bildungsverwaltungen: Förderung eines professionsübergreifenden Verständnisses Bildungsverwaltungen sollten in der Ausbildung von Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften ein professionsübergreifendes Verständnis von Bildungsgerechtigkeit verankern. Dies kann durch die Integration von Themen wie individueller Förderung und Diagnostik sowie die Sensibilisierung für die Bedürfnisse vulnerabler Gruppen geschehen. Diese Aussage verdeutlicht, dass Bildungsgerechtigkeit nicht nur ein theoretisches Konzept bleiben darf, sondern aktiv in die Gestaltung von Bildungsangeboten einfließen muss.„Das perfekte Ziel, das man haben könnte,[ist], dass alle die gleiche Chance haben und so weitergehen.“(Degas-Schule, 2024, S. 25) 4. Politik: Arbeitszeitflexibilität und multiprofessionelle Teams stärken Auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene sollten Rahmenbedingungen für flexible Arbeitszeitmodelle geschaffen und das starre Deputatssystem überdacht werden, um eine bessere Verzahnung von Unterricht und Ganztagsangeboten zu ermöglichen. Flexible Schichtsysteme und/ oder gemeinsame Zeitfenster könnten die Zusammenarbeit im Ganztag erheblich erleichtern. Gleichzeitig braucht es stärker professionalisierte und qualifizierte, multiprofessionelle Teams, die neben Erzieher*innen und Sozialpädagog*innen auch Fachkräfte aus Theaterpädagogik, Kunsttherapie oder Sport einbin den. Während ein gebundener Ganz2. Pädagogische Leitungen: Schaffung verbindlicher Zeit- und Austauschfenster Leitungen sollten feste Zeitfenster für Absprachen und Fallbesprechungen zwischen Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften etablieren. Dies würde eine intensivere Zusammenarbeit ermöglichen und die Verzahnung von Unterricht und Ganztagsangeboten stärken. Derzeit fehlen allerdings regelmäßige Übergabe- und Austauschzeiten, in denen sich die pädagogischen Fachkräfte abstimmen können. Dadurch mangelt es sowohl für Kinder als auch für Erwachsene an geschützten Räumen für Abstimmung, Reflexion und Rückzug:„Seit es mehr geöffnet wurde, sind die Kinder dafür viel freier. Es fehlt, glaube ich, für alle – Erwachsene wie Kinder – an Rückzugs- und[Austausch-]Orten.“ (Banksy-Schule, 2024, S. 9) tag von festen Strukturen profitiert, könnte ein offenes Modell durch variablere Einsätze gestärkt werden. Kooperationen mit externen Part ner*innen wie Umweltbildungszentren oder Sportvereinen sind essenziell, um das Angebot zu erweitern und schulisches Personal zu entlasten. Dafür braucht es langfristige strukturelle Anpassungen statt kurzfristiger Projektförderung. „Das pädagogische Fachkräfteteam ist ein multiprofessionelles Team, da habe ich von Theaterpädagogen über Erzieher, Sozialpädagogen, Kunsttherapeuten, also alles mit dabei.[…] In Kooperation gehen wir mit dem Stadtacker zum Beispiel, mit der Öko-Station hier auf dem Wattberg, mit der Stadtteilbibliothek, mit zwei Sportvereinen sind wir in Kooperation“(Caravaggio-Schule, 2024, S. 9) 3. Kommunen: Flexible Mittelverwendung für bedarfsgerechte Unterstützung Kommunen oder Städte sollten Schu len mehr Spielraum bei der Verteilung der Gelder geben, damit diese gezielt für aktuelle Bedarfe eingesetzt werden können. Besonders in den Bereichen AG-Angebote und Personalverwaltung existiert ein hoher Handlungsbedarf. Mehr Flexibilität vor Ort würde ermöglichen, schneller auf die Bedürfnisse der Schüler*innen zu reagieren.„Natürlich, wenn es brennt, dann dürfen wir. Aber wir können es nicht regulär einplanen, weil die Ressourcen immer wieder abgezogen werden können“(Eliot-Schule, 2024, S. 3) 4.1 Campus-Idee: Bildungs- und Betreuungsangebote bündeln Um Familien besser zu unterstützen und Kindern umfassendere Lern- und Freizeitmöglichkeiten zu bieten, könnte ein Campus-System entwickelt werden, das Bildungs-, Kultur- und Frei zeitangebote bündelt. Dies würde Kindern – unabhängig von ihrer Be treuungsform – den Zugang zu vielfältigen Aktivitäten ermöglichen, etwa Musik- oder Sportkursen am Nachmittag. Erste Ansätze bestehen bereits, doch eine strukturelle Umsetzung wäre wünschenswert:„[…] mir [schwebt] auch so eine Art CampusSystem vor, wo einfach viele Sachen schon mit drin sind, die einfach... So, dass die Kinder wirklich davon profitieren können und das auch mitnutzen können.“(Allegrain-Schule, 2024, S. 12) Ganztag und Bildungsgerechtigkeit 23
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Ganztag und Bildungsgerechtigkeit : Ganztag und dessen Auswirkungen auf Bildungsgerchtigkeit aus der Perspektive von beteiligten Akteuren (GanzBiG) : eine explorative Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung
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