6. Fazit und Handlungsempfehlungen/ Vorschläge 6.1 Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse Die Untersuchung hat ergeben, dass Ganztagsschulen auch in der Wahrnehmung der Akteur*innen in der Praxis ein hohes Potenzial besitzen, Bildungsgerechtigkeit zu fördern, jedoch nur, wenn sie mit adäquaten strukturellen und orga nisatorischen Rahmenbedingungen ausgestattet sind. Eine zentrale Erkenntnis lautet, dass multiprofessionelle Teams – bestehend aus Lehrkräften, pädagogischen Fachkräften und externen Partner*innen – entscheidend für die Qualität und Wirksamkeit von Ganztagsangeboten sind. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die mangelnde Verzahnung von Unterricht und ergänzenden Angeboten sowie unzureichende Kooperationen zwischen den Akteur*innen erhebliche Herausforderungen darstellen, die sich negativ auf die Stärkung von Bildungsgerechtigkeit auswirken können. Eine weitere Schlüsselproblematik ist die fehlende Anpassung von Ganztagsstrukturen an die Bedürfnisse von Schüler*innen, insbesondere in Bezug auf ihre individuellen Förderbedarfe und sozialen Hintergründe. Die Interviews zeigten außerdem, dass Bildungsgerechtigkeit oft von regionalen und sozialen Gegebenheiten abhängt. Während urbane Schulen häufig von einem besseren Zugang zu Kooperationspartnern profitieren, kämpfen ländliche Schulen mit eingeschränkten Ressourcen und Mobilitätsproblemen. Diese Unterschiede unterstreichen die Notwendigkeit flexibler, sozialraumbezogener Ansätze bei der Gestaltung und Umsetzung von Ganztagsangeboten. werden. Besonders wichtig ist es, hier klare Zuständigkeiten und Kommunikationswege zu definieren, um Reibungs verluste zwischen den Professionen zu minimieren. Innovative Konzepte wie das Campus-Modell bieten in der Wahrnehmung der Beteiligten darüber hinaus die Chance, verschiedene Einrichtungen räumlich und organisatorisch zusammenzuführen. Die Integration von Angeboten der Jugendhilfe, Gesundheitsförderung und Sozialarbeit in den Schulalltag kann Synergien schaffen und den Zugang zu unterstützenden Strukturen erleichtern. So könnten beispielsweise Mehrgenerationenhäuser oder Familienzentren, wie sie in Nordrhein-Westfalen bereits umgesetzt wurden, eine Vorbildfunktion übernehmen, um den Sozialraum aktiv in die Bildungsarbeit einzubinden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung schüler*innenorientierter Strukturen. Neben einer Anpassung der Arbeitszeitmodelle an den individuellen Rhythmus der Kinder sollten partizipative Formate stärker verankert wer den. Dies könnte bedeuten, dass Schüler*innen an der Gestaltung von Ganztagsangeboten beteiligt werden, etwa durch Feedback-Formate, Mitbestimmung bei der Programmgestaltung oder die Möglichkeit, eigene Projekte umzusetzen. Diese Ansätze können nicht nur die Akzeptanz der Angebote erhöhen, sondern auch die Selbstwirksamkeit und soziale Kompetenz der Kinder gezielt stärken. Gleichzeitig müssen Schulträger und Bildungsverwaltungen dafür Sorge tragen, dass ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen, um solche innovativen Ansätze nachhaltig umzusetzen. 6.2 Implikationen für Bildungs- und Beratungsmaßnahmen Um die Potenziale von Ganztagsschulen in Hinblick auf Bildungsgerechtigkeit voll auszuschöpfen, ist eine systemische Perspektive erforderlich, die verschiedene Akteur*innen und Institutionen stärker miteinander verknüpft. Neben Schulen, Bildungsverwaltungen und Jugendhilfe sollten auch Organisationen wie Sportvereine, Kulturinstitutionen und gemeinnützige Träger aktiv in die Kooperationsstrukturen eingebunden werden. Eine verbind liche Zusammenarbeit kann durch die Einführung gemeinsamer Zeitfenster für Fallbesprechungen, regelmäßige Abstimmungen und übergreifende Ganztagsgremien gefördert 6.3 Empfehlungen für die Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte Die Förderung von Bildungsgerechtigkeit in Ganztagsschulen erfordert das abgestimmte und gezielte Handeln verschiedener Akteur*innen, darunter Bildungsverwaltungen, Kommunen, Schulen sowie externe Partner*innen. Die nachfolgenden Handlungsempfehlungen sprechen diese Akteursgruppen direkt an und zeigen praxisorientierte Ansätze auf, um Ganztagsangebote nachhaltig zu stärken. Im Fokus stehen die Förderung von Zusammenarbeit, organisatorische Flexibilität sowie die aktive Einbindung aller Beteiligten, um die Qualität des Ganztags zu steigern und Chancengleichheit langfristig zu gewährleisten: 22 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
Druckschrift
Ganztag und Bildungsgerechtigkeit : Ganztag und dessen Auswirkungen auf Bildungsgerchtigkeit aus der Perspektive von beteiligten Akteuren (GanzBiG) : eine explorative Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung
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