bot eingebunden wären. Dadurch könnten die Differenzen innerhalb der Elternschaft etwa im Zusammenhang mit dem sozioökonomischen Status oder dem Migrationshintergrund eine geringere Rolle spielen, da der Ganztag für alle verbindlich wäre und somit keine sozialen Selektionsmechanismen über die Teilnahme entstehen würden. 5.2 Bedeutung für Bildungsverwaltung und Praxis Die Ergebnisse unterstreichen, dass die Bildungsverwaltung eine zentrale Rolle bei der Weiterentwicklung von Ganztagsschulen spielt. Es bedarf klarer Rahmenbedingungen, die sowohl Kooperation als auch Qualität gezielt fördern. Dazu gehören verbindliche Absprachen zwischen den Professionen sowie die Bereitstellung von Ressourcen für gemeinsame Planungs- und Reflexionszeiten. Eine Lehrkraft hebt die Bedeutung der Zusammenarbeit hervor:„Das sind wirklich die Kooperationen, ist eine organisatorische Kooperation.[...] Und natürlich versuchen wir uns, wie gesagt, also so inhaltlich dann schon abzugleichen.“(Eliot-Schule, 2024, S. 14) Ohne festgelegte Zeitfenster für Übergaben, Abstim mungen und Zusammenarbeit bleiben die Schulen im Alltag unrhythmisiert und können keine vernetzten Konzepte entwickeln. Auch alternative Arbeitszeitmodelle sind notwendig, um den spezifischen Anforderungen von Ganztagsschulen gerecht zu werden. Die derzeitigen Regelungen erschweren häufig eine effektive Zusammenarbeit und führen zu Unzufriedenheit bei den Fachkräften. Eine Lehrkraft beschreibt diesen Bedarf an Flexibilität wie folgt:„Arbeitszeitmodell, alles gut, finde ich auch in Teilen gut, aber ich glaube, wir brauchen immer wieder ein Stück Flexibilität, wo ich auch an meinen Berufsethos einfach in dem Moment appellieren kann.“(Eliot-Schule, 2024, S. 16) Um Ganztagsschulen langfristig als chancengerechte Lernorte zu etablieren, braucht es daher Strukturen, die sowohl die Bedürfnisse der Kinder als auch die Arbeitsrealitäten der pädagogi schen Fachkräfte berücksichtigen. 5.3 Mögliche Maßnahmen zur Verbesserung von Bildungsgerechtigkeit in Ganztagsschulen Um die Bildungsgerechtigkeit in Ganztagsschulen nachhaltig zu fördern, sind innovative Ansätze und strukturelle Veränderungen vonnöten, die sich an den Erfahrungen aus der Praxis orientieren. Ein zentraler Ansatzpunkt ist die stärkere Vernetzung von Schule und Sozialraum. Campus-Idee Die Interviews legen nahe, dass die Schaffung eines Campusmodells, das verschiedene Institutionen wie Schulen, Jugendhilfe, Vereine und Kulturinstitutionen an oder um die Schule zusammenführt, ein vielversprechender Ansatz sein könnte. Ein solches Modell würde die Zusammenarbeit zwischen den Akteur*innen intensivieren, den Sozialraum stärker einbeziehen und durch kurze Wege effizientere Synergien ermöglichen. Diese Idee deckt sich mit der Vorstellung eines integrierten Campus-Systems, das verschiedene Angebote bereits strukturell verankert:„[…] deswegen schwebt mir auch so eine Art Campus-System vor, wo einfach viele Sachen schon mit drin sind,[...]“(AllegrainSchule, 2024, S. 12) Gemeinsame Zeitfenster für Absprachen Die Einrichtung fester Zeitfenster für Abstimmungen und Übergaben zwischen Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften würde die Qualität der Zusammenarbeit erheblich verbessern. Regelmäßige Absprachen sind essenziell, um Klarheit über Zuständigkeiten und Informationsflüsse zu schaffen:„Also, was wir dürfen, was wir nicht dürfen, was im Graubereich ist.[…] Und so sind eigentlich ständige Absprachen, wer informiert wann.“(Eliot-Schule, 2024, S. 2) Eine verlässliche Kommunikationsstruktur würde dazu beitra gen, die Verzahnung von Unterricht und Ganztagsangeboten sowohl organisatorisch als auch fachlich nachhaltig zu stärken. Alternative Arbeitsmodelle Flexible Arbeitszeitmodelle, die den besonderen Anforderungen des Ganztags gerecht werden, könnten die Arbeitsbedingungen verbessern und die Zufriedenheit der Fachkräfte steigern. Besonders für pädagogische Fachkräfte wäre dies ein wichtiger Schritt, um die Attraktivität des Berufsfeldes zu erhöhen. Derzeit fehlen ausreichend attraktive Arbeitsplätze, was die Personalgewinnung erschwert: „Sie arbeiten[…] bei dem Taschengeld, was es dann gibt. Also ich meine, wer besser qualifiziert ist, arbeitet dann für so ein bisschen. Und das ist ja auch ein Riesendilemma, dass wir da einfach keine attraktiven Arbeitsplätze schaffen in der aktuellen Diskussion.“(Cassatta, 2024, S. 23) Um die sem Dilemma entgegenzuwirken, müssten Arbeitszeitregelungen stärker an die Anforderungen des Ganztagsbetriebs angepasst und langfristig weiterentwickelt werden. Ganztagsangebote sollten zudem konsequent an den Bedürfnissen der Kinder ausgerichtet und gemeinsam mit ih nen gestaltet werden. Dies bedeutet, dass Schüler*innen aktiv an der Planung und Umsetzung beteiligt werden. Ein Beispiel dafür ist die Schulversammlung, die einmal im Quartal stattfindet und gezielt Themen behandelt,„die halt für alle relevant sind,[…] oder eben Themen, die eigentlich schon von Kinderseite kommen“(Degas-Schule, 2024, S. 6). Partizipation darf sich dabei nicht auf einzelne Aspekte wie die Auswahl des Mittagessens beschränken – sie muss inhaltlich verankert sein und den Kindern echte Mitgestal tungsmöglichkeiten bieten. 20 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
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Ganztag und Bildungsgerechtigkeit : Ganztag und dessen Auswirkungen auf Bildungsgerchtigkeit aus der Perspektive von beteiligten Akteuren (GanzBiG) : eine explorative Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung
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